Sein eigenes Start-up gründen oder doch lieber ein bestehendes Unternehmen übernehmen? Ein eigenes Unternehmen zu führen, ist der Traum von vielen innovativen jungen Leuten.
Doch welches ist die erfolgreichste Strategie zu einem erfolgreichen eigenen Unternehmen? Wichtig ist bei bestehenden Unternehmen die Nachfolgeregelung – wird diese früh genug in die Wege geleitet, hat ein bestehendes KMU die wesentlich besseren Überlebenschancen als ein Start-up.
Neugründung vs. Unternehmensnachfolge
In der Schweiz werden jährlich rund 300 Start-ups gegründet. Im Jahr 2019 wurden 2,3 Milliarden Franken Risikokapital in Start-up Unternehmen investiert. An erster Stelle stehen ICT-Bereiche gefolgt von Life Sciences und der Industrie. Geographisch betrachtet, ist die Verteilung sehr homogen, so wurden zwischen 2014 und 2018 in 24 von 26 Kantonen Start-ups gegründet.
Die Anzahl der Firmengründungen in der Schweiz war in den letzten Jahren konstant. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 42’606 Unternehmen gegründet. Diese schufen zusammen 57’067 neue Arbeitsplätze. 83 % der gegründeten Unternehmen bieten jedoch nur einen Arbeitsplatz, 15,3 % zwischen zwei und vier und nur 1,7 % mehr als fünf Arbeitsplätze. In diesem Kontext gilt es auch die Betriebsschliessungen zu betrachten. 2021 wurden 14’081 Konkursverfahren nach SchKG eröffnet, was gleichzeitig einem Verlust von 4,1 Milliarden Franken entspricht. Zahlen zum damit verbundenen Stellenabbau sind nicht bekannt.
Bei Unternehmen, die bereits seit Jahren bestehen, sieht die Situation wie folgt aus: Im laufenden Jahr sind von den 614’247 im Handelsregister eingetragenen Unternehmen 93’009, bzw. 15 %, auf der Suche nach einer Nachfolgeregelung. Rund 45 % der KMU’s werden familienintern übertragen, wobei diese Quote jährlich kleiner wird.
Nachfolgeregelung
25 % der erfolgreichen Nachfolgen werden durch firmenexterne Personen erreicht und 30 % durch Mitarbeitende aus dem Unternehmen. Eine erfolgreiche Nachfolgeregelung benötigt viel Zeit und Planung. Diese Aufgabe wird leider von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern zu lange gemieden. Die Konsequenz ist, dass jedes dritte KMU aufgrund von fehlender Nachfolge geschlossen wird. Dabei ist eine Übernahme eines KMUs eine interessante Strategie, denn die Überlebensrate von übernommenen KMU’s liegt nach fünf Jahren bei 95 %, wogegen diese bei Neugründungen noch bei 50 % und bei Start-ups bei 20 % liegt. Warum also den steinigen und den höchst wahrscheinlich auch zum Scheitern verurteilten Weg wählen, wenn da über 90’000 Unternehmen in der Schweiz einen Nachfolger/eine Nachfolgerin suchen?
Eine Übernahme bedeutet keineswegs, dass die eigenen Ideen nicht umgesetzt werden können. Im Gegenteil, diese meist gut aufgestellten KMUs sind der ideale Platz für neue Ideen und Pläne, denn das ist es, was eine Nachfolge auch benötigt. Nicht nur ein neuer Patron, sondern auch neuen Wind. Denn es soll ja in die Zukunft gehen.
Die Vorteile einer solchen Strategie sind:
- Bestehende Infrastruktur zur Entwicklung des eigenen Produktes
- Bestehendes Vertriebsnetz
- Bestehender Kundenstamm
- Direktes «feed back» vom Markt
- Bestehender Cash-Flow für neue Investitionen nutzen
- Internes Fach- und Marktwissen nutzen
- Erfahrung des Vorgängers nutzen
Berücksichtigt man nun die statistische Erfolgsquote von 95%, ist eine Übernahme eines bestehenden Unternehmens doch die ideale Strategie für die Selbständigkeit und die Einführung von eigenen neuen Produkten. Eine grundlegende und wichtige Eigenschaft bringen Sie bereits mit: Sie wollen Unternehmer/-in sein, dies mit allen Vor- und Nachteilen. Sie sind bereit, für eine Sache zu kämpfen und zu «krampfen».
Fachkräftemangel und Nachfolgeregelung – ein Zusammenhang?
Im Sommer 2021 lag der Fachkräftemangel Index auf 27 %., wobei der Fachkräftemangel in folgenden Branchen besonders gross ist:
- Ingenieurberufe
- Berufe der Informatik
- Techniker/innen
- Humanmedizin und Pharmazie
- Berufe des Treuhandwesens
Demgegenüber steht die Arbeitslosenquote im Oktober 2022 auf 1,9 %. Gleichzeitig sind im gleichen Monat 62’889 Stellen dem RAV als offen gemeldet worden. Es liegt somit auf der Hand, dass es schwierig sein wird, die passende Person für eine Nachfolge zu finden.
Wie können nun die beiden Interessengruppen zusammengebracht werden?
Primär geht es dabei nicht um die Plattform, auf der das Unternehmen zum Verkauf angepriesen wird, sondern darum, dass der/die Inhaber/-in sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt. Eine zentrale Rolle können hier die Banken und Treuhandunternehmen einnehmen. Sie sind diejenigen, die das Unternehmen in diesem Zusammenhang am besten kennen und auch diese Frage stellen können und dürfen.
Diese beiden Parteien sollten die Inhaber auf das Risiko hinweisen, dass eine Nachfolge nicht nebenbei noch schnell erledigt wird. In der Regel dauert diese zwischen zwei und sieben Jahren. Dies in Abhängigkeit von der Nachfolgelösung FBO, MBO oder MBI. Auf der Käuferseite können Universitäten und Schulen für Erwachsenenbildung eine tragende Rolle einnehmen, indem die Nachfolge thematisiert wird.
Fazit
Generell muss es Ziel der Gesellschaft sein, dass offener über dieses Thema gesprochen wird und so auf das Risiko einer Betriebsschliessung hingewiesen werden kann. Denn jeder verlorene KMU ist einer zu viel! In Zeiten wie wir sie aktuell erleben, braucht Unternehmertum viel Mut, Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit. Das alles macht unsere Wirtschaft langfristig wettbewerbsfähig. Damit jedoch diese Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze nachhaltig gesichert werden können, benötigt es auch eine solide Nachfolgeplanung.
IdeeTransfer unterstützt Sie in Ihrer Planung effizient und zielgerichtet. Dank unseren Ausbildungen (CAS in Nachfolgeplanung) und dem breiten Hintergrundwissen sind wir in der Lage, Sie in diesem Prozess zu begleiten. Stellen Sie sicher, dass Sie ihr Lebenswerk in junge Hände geben können. Gerne zeigen wir Ihnen in einem unverbindlichen und kostenfreien Gespräch auf, wie Sie sich den Nachfolgeprozess vorstellen müssen.