Das Recht auf Unerreichbarkeit

Ich bin dann mal weg – aber doch stets erreichbar?!? Die technologische Entwicklung hat die Erreichbarkeit eines jeden Menschen drastisch verändert; Funkstille wird im beruflichen Umfeld selbst während der eigentlichen Freizeit immer mehr zum Fremdwort.

Symbolbild Erreichbarkeit

Nach dem Nachtessen noch kurz E-Mails beantworten, vor dem Schlafen gehen mit einem Kollegen in Amerika telefonieren oder am Sonntag vor dem Spaziergang noch eine SMS an eine Kollegin schreiben.

Privat- und Berufsleben verschmelzen immer mehr und die Grenzen können nicht klar definiert werden. Die modernen Technologien erlauben neue Arbeitsmodelle, erhöhen die Flexibilität und eröffnen neue Chancen für Unternehmen. Also eine positive Entwicklung für Unternehmen und Mitarbeitende, sollte man meinen. Doch diese Situation birgt auch Risiken und kann zu erheblichen Kosten führen. Die digitalen, mobilen Arbeitswerkzeuge gelten als wichtiger Stressfaktor.
Gemäss Bundesamt für Statistik leiden 18% aller Erwerbstätigen an psychischem Stress am Arbeitsplatz. Die Hälfte davon sind akut Burnout gefährdet. Die Abgrenzung und eine qualitativ hochstehende Erholung während der Freizeit geht verloren. Und dies schadet den Unternehmen. Wie eine Studie der amerikanischen Lehigh-Universität zeigt, hat die ständige Erreichbarkeit mehr negative als positive Folgen. Sie steigert zwar zuerst die Produktivität, führt aber mittelfristig zu krankheitsbedingten Arbeitsausfällen und dadurch hohen Kosten.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Brauchen wir deshalb eine gesetzliche Regelung der Erreichbarkeit wie sie in Frankreich Anfangs 2017 eingeführt wurde? Diese enthält zwar kein eigentliches Verbot für mobiles Arbeiten nach Büroschluss. Jedoch werden Unternehmen verpflichtet, praktikable Lösungen mit ihren Mitarbeitenden oder Sozialpartner zu finden, um die «Funkstille» nach Arbeitsschluss zu ermöglichen.

Wir sind der Ansicht, dass ein solcher Gesetzeszusatz in der Schweiz nicht nötig ist. Dennoch sind wir überzeugt, dass ein Unternehmen Regeln definieren muss, wie die neuen digitalen Arbeitswerkzeuge eingesetzt werden sollen und welche die Erreichbarkeit der Mitarbeitenden definieren. Mittel- und langfristig profitieren sowohl Unternehmen wie auch Mitarbeitende von klaren Regeln.
Viele Unternehmen haben dies bereits erkannt und entsprechende Grundsätze erlassen. So schaltet zum Beispiel der Volkswagenkonzern die Mail-Server für Smartphones eine halbe Stunde nach Arbeitsschluss ab und fährt sie erst wieder eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn hoch. Andere Unternehmen, wie z.B. Orange, definieren Email-Pausen oder andere schreiben die Mobilarbeitszeit der eigentlichen Arbeitszeit gut.

Wie kann dies in Ihrem Unternehmen gelöst werden?

Nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeiten, dieselben Massnahmen umzusetzen wie VW oder Orange. Gerade bei KMU würde dies einen unverhältnismässig hohen Aufwand im Informatik-Bereich nach sich ziehen.

Dies soll aber auf keinen Fall bedeuten, dass kleinere, regionale Unternehmen das Problem als «Herausforderung für Grosskonzerne» abtun und ignorieren könnten. Die grosse Aktualität von Themen wie Burnout und Life-Balance zeigt auf, dass in diesem Bereich grosser Handlungsbedarf besteht.
Wer sich mit der Thematik intensiv auseinandersetzt, merkt schnell, dass mit relativ geringem Aufwand hier ein grosser Nutzen erzielt werden kann. Wichtig ist nur, dass die Vorschriften zum Unternehmen, der Grösse und der Branche passen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn auch in Ihrem Unternehmen die Grenze zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwindet und zur Belastung wird! Unsere erfahrenen, regionalen Prozessbegleiter unterstützen Sie gerne mit Rat und Tat.